Geschichte der Kantorei Neuhausen

Am Pfingstsonntag im Jahr 1914 gründeten 29 Frauen und Jungfrauen, wie man in den alten handgeschriebenen Protokollen der Kirchgemeinde Neuhausen nachlesen kann, nach dem Gottesdienst einen Kirchenchor unter der musikalischen Leitung von Christoph Leu. Bereits im September desselben Jahres, am Bettag, hatten sie ihren ersten Auftritt.

Beliebt waren im Chor vor allem die Ausflüge in andere reformierte Kirchgemeinden, wie Merishausen oder Hemmental, die regelmässig organisiert wurden.

Doch bald zeigte sich, dass der Kirchenchor mit der mangelnden Disziplin einiger Sängerinnen zu kämpfen hatte. Während der Chorproben wurde gestrickt und auch die Anwesenheitspflicht wurde anscheinend sehr vernachlässigt, erfährt man heute in der Chronik von Otto Beutel, der das Geschehen in der Chorgemeinschaft zu Papier brachte. Mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln wurde versucht dem entgegenzuwirken, bis beschlossen wurde, den Kirchenchor in einen gemischten Chor umzuwandeln. Die damaligen Präsidentinnen, Mina Huber und Anna Walter, wurden nach der Öffnung für männliche Mitglieder durch einen männlichen Vorstand ersetzt.

 

Gesungen wurde damals hauptsächlich aus dem Kirchengesangsbuch. In den 30er Jahren wurden vor allem Abendveranstaltungen mit Tanz organisiert. «Es sei nicht zu leugnen, dass die vereinsmässigen Anliegen die kirchlichen oft beeinträchtigten», notierte sich Beutel damals. Geprobt wurde bis 1941 in der Kirchackerschulhausturnhalle. Nach 1941 zog der Chor in das neu erstellte Kirchgemeindehaus um. In der Zwischenzeit wurde die musikalische Leitung an Adolf Ruh übergeben, der den Chor von 1926 bis 1951 leitete.

Der neue Proberaum war aber ein schwacher Trost. Es herrschte Krieg, was zu vielen Absenzen führte. Doch auch während der Kriegsjahre wirkte der Chor unermüdlich weiter. 1951 übernahm dann der bekannte Musikpädagoge Edwin Villiger die musikalische Leitung des Chors, den er 33 Jahre lang (1951 bis 1985) geprägt hat. Er hat neben der musikalischen Mitwirkung in den Gottesdiensten eine neue Tradition, die «Neuhauser Kirchenkonzerte» ins Leben gerufen und mit dem Chor, neben den «Abendmusiken», viele grosse Werke mit Orchester und Solisten aufgeführt. So zum Beispiel «Der Messias» und «Saul» von G. F. Händel, oder die «Johannes Passion» von J.S. Bach. «Diese Tradition hat sich bis zur Ära Britt» durchgesetzt.

Stephan Britt ist der Vorgänger des Chorleiters Valentin Johannes Gloor. Zwischen Villiger und Gloor hatte Geri Stamm (1985 bis 2002) die musikalische Leitung inne. Auch unter Stamm konzertierte der reformierte Kirchenchor verschiedene Werke von Bach, wie zum Beispiel das «Weihnachtsoratorium

1 - 3». Bachlastig wurde es dann vor allem mit Stephan Britt, der den Chor von 2002 bis 2009 geleitet hat. Nicht von ungefähr ist der Chor regelmässig an den Bachfesten vertreten. Am 4. Januar 2016 hat Philipp Klahm die Leitung der Kantorei übernommen.

 

1992 hat der evangelische Kirchenchor einen neuen Namen erhalten. Aus dem Kirchenchor wurde die Neuhauser Kantorei, die heute 74 aktive Mitglieder aus der ganzen Region zählt, die sich wöchentlich am Montag im Kirchgemeindehaus zur Probe treffen. Regelmässiges Erscheinen wird auch heute noch erwartet. Und auch heute wird das Gemeinschaftliche sehr gepflegt.